Grundlagen

Plaque

Evidenz: Hoch Grundlagen Lesezeit: ca. 5 Min. Fachlich geprüft: 16.07.2026 · KEERN Redaktion

Plaque bezeichnet den strukturierten dentalen Biofilm, der sich auf Zahnoberflächen und anderen festen, nicht abschilfernden Oberflächen im Mund anlagert. Bei unkontrollierter Ansammlung kann er zur Entstehung von Karies und Gingivitis beitragen und sich durch Einlagerung von Mineralien zu Zahnstein entwickeln. Die regelmäßige mechanische Kontrolle ist eine zentrale präventive Maßnahme.

Definition

Plaque ist die weiche, strukturierte mikrobielle Auflagerung auf Zahnoberflächen und anderen festen, nicht abschilfernden Oberflächen im Mund, etwa auf Implantaten, festsitzenden kieferorthopädischen Apparaturen oder Restaurationen. Der Begriff entspricht dem dentalen Biofilm; je nach Menge, Reifegrad und Lokalisation kann Plaque sichtbar, anfärbbar oder nur mit einer Sonde nachweisbar sein.

Plaque besteht aus Mikroorganismen, Speichelbestandteilen und einer selbst produzierten extrazellulären Matrix. Diese Matrix erschwert den Zugang chemischer Wirkstoffe zu bereits etablierten Strukturen. Deshalb bleibt die regelmäßige mechanische Biofilmkontrolle unverzichtbar; chemische Maßnahmen können sie in ausgewählten Situationen ergänzen.

Kurz gesagt

Plaque ist der dentale Biofilm, je nach Reifegrad und Menge sichtbar oder unsichtbar. Die Bildung eines frühen Biofilms ist ein physiologischer, kontinuierlicher Prozess. Eine über längere Zeit unkontrollierte Ansammlung erhöht jedoch das Risiko für Karies und Gingivitis. Regelmäßige mechanische Entfernung unterbricht diesen Prozess und ist die zuverlässigste bekannte Maßnahme zur Kontrolle.

Wie Plaque sichtbar wird

Ein dünner, früher Biofilm ist mit bloßem Auge oft kaum zu erkennen. In der zahnärztlichen Praxis wird Plaque deshalb mit Färbemitteln (Anfärbetabletten oder -lösungen) sichtbar gemacht: ein einfaches, seit Jahrzehnten etabliertes Verfahren, das auch zu Hause zur Selbstkontrolle genutzt werden kann.

In der zahnmedizinischen Forschung wird die Plaquedicke am Zahnfleischrand häufig mit einem standardisierten Index erfasst, der seit den 1960er-Jahren als Referenz dient und bis heute in klinischen Studien verwendet wird.

Von Plaque zu Zahnstein

Wird Plaque über längere Zeit nicht ausreichend entfernt, kann sie durch Einlagerung von Mineralien aus Speichel oder Sulkusflüssigkeit verhärten und sich in Zahnstein umwandeln. Zahnstein selbst ist nicht mehr durch Zähneputzen entfernbar, sondern erfordert eine professionelle Entfernung. Seine raue Oberfläche erleichtert zudem die erneute Anlagerung von Plaque: ein Kreislauf, der die Bedeutung frühzeitiger und regelmäßiger Entfernung unterstreicht.

Praktische Kontrolle

  • Tägliche mechanische Entfernung (Zähneputzen, mindestens zweimal täglich) ist die zentrale Maßnahme
  • Für die Reinigung der Zahnzwischenräume sind in der Regel zusätzliche Hilfsmittel erforderlich. Ob Zahnseide, Interdentalbürsten oder andere Hilfsmittel geeignet sind, hängt von Anatomie, klinischer Situation und manuellen Fähigkeiten ab
  • Mundspülungen können die mechanische Reinigung ergänzen, ersetzen sie jedoch nicht
  • Bereits mineralisierte Ablagerungen können durch häusliches Zähneputzen nicht mehr zuverlässig entfernt werden und erfordern eine professionelle Entfernung. Ob und in welchen Abständen weitere professionelle Prophylaxemaßnahmen sinnvoll sind, richtet sich nach dem individuellen Befund

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Plaque ist die weiche, strukturierte Auflagerung des dentalen Biofilms auf Zähnen und anderen festen Oberflächen im Mund
  • Je nach Reifegrad und Menge kann Plaque sichtbar, anfärbbar oder nur mit der Sonde nachweisbar sein
  • Die Bildung eines frühen Biofilms ist physiologisch; problematisch wird erst die langfristig unkontrollierte Ansammlung
  • Unentfernte Plaque kann zu Zahnstein mineralisieren, der nur noch professionell entfernbar ist
  • Regelmäßige mechanische Entfernung bleibt die zuverlässigste bekannte Kontrollmaßnahme; welches Hilfsmittel für die Zahnzwischenräume geeignet ist, sollte individuell abgestimmt werden

Häufige Fragen

Ist Plaque dasselbe wie Biofilm?

Nicht ganz. Biofilm ist der übergeordnete Begriff für mikrobielle Gemeinschaften, die sich auf praktisch allen Oberflächen im Mund bilden, auch auf Schleimhaut und Zunge. Plaque bezeichnet vor allem den dentalen Biofilm auf Zähnen und anderen festen, nicht abschilfernden Oberflächen wie Implantaten oder Restaurationen.

Warum entsteht Plaque so schnell?

Nach dem Zähneputzen bildet sich innerhalb von Stunden wieder ein dünner Biofilm auf der Zahnoberfläche. Das ist ein physiologischer, kontinuierlicher Prozess, kein Zeichen mangelnder Hygiene.

Hilft Mundspülung gegen Plaque?

Mundspülungen können die mechanische Reinigung ergänzen, ersetzen sie aber nicht. Die Schutzmatrix der Plaque kann die Wirksamkeit chemischer Wirkstoffe gegen bereits etablierte Auflagerungen deutlich einschränken.

Wie erkenne ich Plaque an meinen eigenen Zähnen?

Reife Plaque fühlt sich mit der Zunge oft rau oder pelzig an, besonders am Zahnfleischrand und in den Zahnzwischenräumen. Frühe, dünne Plaque ist dagegen oft weder sicht- noch fühlbar. Plaque-Anfärbetabletten machen sie unabhängig vom Reifegrad sichtbar und können helfen, Bereiche zu identifizieren, die beim Putzen regelmäßig übersehen werden.

Kann sich Zahnstein wieder in Plaque zurückverwandeln?

Nein. Die Mineralisation zu Zahnstein ist nicht umkehrbar. Einmal gebildeter Zahnstein muss professionell entfernt werden; er verschwindet nicht durch Zähneputzen.

KEERN Perspektive

Plaque ist für KEERN die täglich sichtbare Seite eines größeren Zusammenhangs: des oralen Ökosystems, das im Begriff Biofilm ausführlicher beschrieben wird. Die Kontrolle von Plaque ist deshalb kein isoliertes Ziel, sondern Teil eines Ansatzes, der das orale Gleichgewicht insgesamt im Blick behält, nicht die vollständige Entfernung jeglichen mikrobiellen Lebens.

Fachliche Einordnung

Klinische Relevanz

  • Plaque-Index-Erhebung zur Verlaufskontrolle und Patientenmotivation
  • Differenzialdiagnose weicher (Plaque) versus mineralisierter (Zahnstein) Ablagerungen
  • Individuelle Mundhygieneinstruktion anhand sichtbar gemachter Plaque (Anfärbung)
  • Bewertung der Interdentalraumhygiene als häufig unzureichend kontrollierter Bereich

Diagnostik: Der Plaque-Index

Der von Silness und Löe (1964) eingeführte Plaque-Index bewertet die Dicke der Plaque im Bereich des Gingivarandes an vier Zahnflächen (bukkal, lingual, mesial, distal) auf einer Skala von 0 bis 3: 0 = keine Plaque, 1 = ein dünner Film, nur mit Sonde oder Anfärbung erkennbar, 2 = mit bloßem Auge sichtbare Ansammlung im Gingivalbereich, 3 = ausgeprägte Ansammlung im Sulkus und auf der Zahnoberfläche.

Alternative Indizes wie die Turesky-Gilmore-Glickman-Modifikation des Quigley-Hein-Index (1970) werden ebenfalls verwendet, insbesondere in Studien zu Mundpflegeprodukten. Die Wahl des Index beeinflusst die Vergleichbarkeit von Studienergebnissen und sollte bei der Interpretation berücksichtigt werden.

Mineralisation zu Zahnstein

Die Umwandlung von Plaque in Zahnstein (Kalkulus) erfolgt durch Einlagerung von Kalzium- und Phosphationen. Supragingivaler Zahnstein bildet sich vor allem durch Mineralien aus dem Speichel und bevorzugt in der Nähe der Ausführungsgänge der großen Speicheldrüsen. Subgingivaler Zahnstein entsteht dagegen überwiegend durch Mineralien aus der Sulkusflüssigkeit. Die raue, poröse Oberfläche von Zahnstein begünstigt die erneute Plaqueanlagerung und kann die mechanische Reinigung zusätzlich erschweren.

Leitlinien

Die S3-Leitlinie ‘Häusliches mechanisches Biofilmmanagement in der Prävention und Therapie der Gingivitis’ (AWMF 083-022, DG PARO / DGZMK) hatte den Stand 12.11.2018, mit einer überarbeiteten Lang- und Kurzfassung vom 09.02.2021 (Amendment), gültig bis 11.11.2023. Eine Aktualisierung befindet sich in Bearbeitung. Sie betont die zentrale Bedeutung der regelmäßigen mechanischen Plaquekontrolle einschließlich individualisierter Interdentalraumreinigung.

Evidenzlage

Silness, Löe (1964): Periodontal Disease in Pregnancy II. Correlation between Oral Hygiene and Periodontal Condition. Acta Odontologica Scandinavica, 22(1), 121–135. Einführung des Plaque-Index; bis heute Referenzinstrument in der klinischen Forschung.

Farina, Simonelli, Trombelli et al. (2026): Clinical Efficacy of Interventions Based on Professional Mechanical Plaque Removal in the Treatment of Dental Biofilm–Induced Gingivitis. Journal of Clinical Periodontology, 53(4), 572–595. Bezieht sich spezifisch auf die professionelle mechanische Plaqueentfernung bei natürlich auftretender, biofilminduzierter Gingivitis, nicht auf häusliche Mundhygiene oder Plaquekontrolle im Allgemeinen. Eine 2026 veröffentlichte Korrektur (DOI 10.1111/jcpe.70149) betrifft ausschließlich die irrtümliche Publikation in einer regulären statt der vorgesehenen Sonderausgabe; Autoren, Daten und Schlussfolgerungen sind davon nicht betroffen.

Die Inhalte des KEERN Lexikons dienen der allgemeinen Gesundheitsinformation und ersetzen keine individuelle zahnärztliche Beratung oder Behandlung.