Definition
Hydroxylapatit (HAp) ist ein Calciumphosphat-Mineral mit der Summenformel Ca₁₀(PO₄)₆(OH)₂. Es bildet die mineralische Grundstruktur von Zahnschmelz, Dentin und Knochen.
In der Mundpflege wird Hydroxylapatit als biomimetischer Inhaltsstoff eingesetzt, also dem körpereigenen Material nachempfunden. Der in Zahnpflegeprodukten verwendete Hydroxylapatit ist synthetisch hergestellt und unterscheidet sich je nach Partikelgröße, Kristallinität, Morphologie und Herstellungsverfahren.
Kurz gesagt
Hydroxylapatit ist das Mineral, aus dem Zahnschmelz überwiegend besteht. Als Zahnpflege-Inhaltsstoff wird es seit einigen Jahren wissenschaftlich untersucht. Die deutsche S3-Leitlinie spricht dafür derzeit keine Empfehlung aus. Neuere Übersichtsarbeiten liefern Daten zu bestimmten Formulierungen; diese Ergebnisse lassen sich nicht auf jedes hydroxylapatithaltige Produkt übertragen.
Substanz und Formulierung sind nicht dasselbe
Dieser Punkt ist zentral für das Verständnis der gesamten Datenlage.
Wenn eine Studie zeigt, dass ein bestimmtes Produkt mit Hydroxylapatit ein bestimmtes Ergebnis erzielt hat, ist damit eine Aussage über dieses Produkt getroffen: nicht über Hydroxylapatit als Substanz und nicht über andere Produkte, die Hydroxylapatit enthalten.
Partikelgröße, Konzentration, Kristallstruktur, Trägerformulierung, pH-Wert und die Kombination mit anderen Inhaltsstoffen beeinflussen das Verhalten des Materials an der Zahnoberfläche. Zwei Zahnpasten mit identischer Deklaration können sich erheblich unterscheiden.
Formulierungen wie ‘Hydroxylapatit remineralisiert Zähne‘ verkürzen deshalb unzulässig: Sie schreiben einer Substanz zu, was allenfalls für einzelne untersuchte Formulierungen gezeigt wurde.
Leitlinienstatus
Die S3-Leitlinie ‘Kariesprävention bei bleibenden Zähnen‘ (AWMF 083-021, Version 2.0, 2025) führt Nano-Hydroxylapatit unter den chemischen Verbindungen auf, für die im Rahmen der Kariesprävention keine Empfehlung ausgesprochen werden kann. Die Leitlinie stützt sich dabei auf die von ihr herangezogene Bewertung.
Das bedeutet nicht, dass keine wissenschaftlichen Daten vorliegen oder dass eine Wirkung ausgeschlossen ist. Es bedeutet, dass die zum Bewertungszeitpunkt herangezogene Evidenz nach den Kriterien der Leitlinie nicht ausreichte, um eine formale Empfehlung abzuleiten.
Für fluoridhaltige Zahnpasta gibt dieselbe Leitlinie eine starke Empfehlung (Grad A). Diese Asymmetrie ist der aktuelle Stand in Deutschland.
Aktuelle Forschung
Neuere systematische Übersichtsarbeiten untersuchen Hydroxylapatit als remineralisierenden und kariespräventiven Ansatz. Sie werten klinische Studien zu bestimmten Formulierungen aus und kommen zu unterschiedlich weitreichenden Schlussfolgerungen.
Die klinische Evidenz zu Hydroxylapatit basiert bislang auf einer im Vergleich zu etablierten Fluoridstrategien kleineren Zahl von Studien und Forschungsgruppen. Die Interpretation der Ergebnisse sollte deshalb Studiendesign, untersuchte Formulierung, Endpunkte und Reproduzierbarkeit der Daten berücksichtigen.
Ob diese Daten für eine zukünftige Leitlinienempfehlung ausreichen, lässt sich nicht vorwegnehmen.
Was die Daten derzeit nicht zeigen
- Keine Grundlage für die Aussage, Hydroxylapatit sei Fluorid gleichwertig oder überlegen
- Keine Übertragbarkeit von Studienergebnissen einer Formulierung auf beliebige andere Produkte
- Keine Empfehlung durch die deutsche S3-Leitlinie zur Kariesprävention
- Keine Grundlage für die Aussage, Hydroxylapatit ersetze mechanische Biofilmentfernung oder Zuckerreduktion
Das Wichtigste auf einen Blick
- Hydroxylapatit ist das Hauptmineral der Zahnhartsubstanz; in der Mundpflege wird es synthetisch eingesetzt
- Partikelgröße, Konzentration und Formulierung bestimmen das Verhalten; die Deklaration allein sagt wenig aus
- Studienergebnisse gelten für die untersuchte Formulierung, nicht für die Substanz allgemein
- Die S3-Leitlinie AWMF 083-021 spricht derzeit keine Anwendungsempfehlung für Nano-Hydroxylapatit aus
- Für fluoridhaltige Zahnpasta besteht dagegen eine starke Leitlinienempfehlung (Grad A)
- Die klinische Evidenz beruht auf einer vergleichsweise kleinen Zahl von Studien und Forschungsgruppen
- Eine vergleichende Einordnung gegenüber Fluorid bleibt Gegenstand wissenschaftlicher Bewertung